Handspiel beim Fußball: Regeln, Elfmeter und strittige Situationen erklärt

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Kaum eine Fußballregel sorgt regelmäßig für so viele Diskussionen wie das Handspiel. Während einige Entscheidungen eindeutig erscheinen, hängt die Bewertung in vielen Situationen von der Armhaltung, der Körperbewegung und der Absicht des Spielers ab.

Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob der Ball die Hand oder den Arm berührt. Nicht jeder Kontakt ist automatisch ein Handspiel. Der Schiedsrichter muss beurteilen, wie es zur Berührung kam und ob sich der Spieler dadurch einen regelwidrigen Vorteil verschafft hat.

Wann liegt ein Handspiel beim Fussball vor?

Nach Regel 12 der Fußballregeln liegt grundsätzlich ein strafbares Fussball-Handspiel vor, wenn ein Spieler:

  • den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt,
  • die Hand oder den Arm bewusst zum Ball bewegt,
  • seinen Körper durch eine unnatürliche Armhaltung vergrößert,
  • direkt nach einer Berührung mit der eigenen Hand oder dem Arm ein Tor erzielt.

Als Hand oder Arm gilt dabei der Bereich unterhalb der Achselhöhle. Die Schulter darf grundsätzlich zur Ballkontrolle verwendet werden.

Die wichtigste Frage lautet häufig: War die Armhaltung eine natürliche Folge der Bewegung oder machte sie den Körper unnötig größer?

Was bedeutet „unnatürliche Vergrößerung“?

Ein Spieler vergrößert seine Körperfläche unnatürlich, wenn der Arm deutlich vom Körper abgespreizt ist und diese Position nicht durch die jeweilige Bewegung erklärt werden kann.

Springt ein Verteidiger beispielsweise mit weit ausgestreckten Armen in eine Flanke, nimmt er bewusst das Risiko in Kauf, vom Ball getroffen zu werden. Ein Handspiel kann dann auch ohne erkennbare Absicht vorliegen.

Anders kann die Situation bewertet werden, wenn:

  • der Arm eng am Körper liegt,
  • die Armbewegung zum normalen Lauf- oder Sprungablauf gehört,
  • der Ball aus sehr kurzer Entfernung kommt,
  • der Spieler beim Fallen einen Arm zur Abstützung verwendet.

Auch diese Faktoren führen jedoch nicht automatisch dazu, dass weitergespielt wird. Der Schiedsrichter bewertet immer die gesamte Spielsituation.

Ist Handspiel immer Absicht?

Nein. Ein Handspiel kann auch dann strafbar sein, wenn der Spieler den Ball nicht bewusst mit der Hand spielen wollte.

Vor allem bei einer unnatürlich vergrößerten Körperfläche ist die erkennbare Absicht nicht das einzige Kriterium. Wer seinen Arm in eine riskante Position bringt, kann bestraft werden, obwohl der Ball unerwartet an die Hand springt.

Umgekehrt ist ein unbeabsichtigter Kontakt nicht automatisch regelwidrig. Wird ein Spieler aus kurzer Entfernung angeschossen und befindet sich sein Arm in einer nachvollziehbaren Position, kann das Spiel weiterlaufen.

Wann gibt es Elfmeter wegen Handspiels?

Begeht ein Spieler der verteidigenden Mannschaft innerhalb des eigenen Strafraums ein strafbares Handspiel, erhält die gegnerische Mannschaft einen Strafstoß.

Dabei gelten grundsätzlich dieselben Kriterien wie außerhalb des Strafraums. Die Berührung wird nicht allein deshalb zum Vergehen, weil sie im Strafraum stattfindet.

Wo sich der Ball oder der angreifende Spieler befindet, ist dabei nicht entscheidend. Relevant ist der Ort, an dem der verteidigende Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm berührt.

Mehr zum Ablauf und zu den Sonderfällen findest du in unserem Guide zu den Elfmeter-Regeln.

Wann gibt es eine Gelbe oder Rote Karte?

Nicht jedes Handspiel führt zusätzlich zu einer persönlichen Strafe.

Eine Gelbe Karte kann beispielsweise ausgesprochen werden, wenn ein Spieler:

  • durch ein Handspiel einen aussichtsreichen Angriff verhindert,
  • versucht, mit der Hand ein Tor zu erzielen,
  • den Ball in unsportlicher Weise mit der Hand spielt.

Eine Rote Karte wird normalerweise gezeigt, wenn ein Spieler durch ein absichtliches Handspiel ein Tor oder eine klare Torchance verhindert. Das bekannteste Beispiel ist ein Feldspieler, der den Ball auf oder unmittelbar vor der Torlinie absichtlich mit der Hand abwehrt.

Der Torhüter darf den Ball innerhalb des eigenen Strafraums mit den Händen spielen. Außerhalb des Strafraums gelten für ihn dieselben Handspielregeln wie für jeden anderen Spieler.

Handspiel vor einem Tor

Erzielt ein Spieler direkt mit der Hand oder dem Arm ein Tor, wird der Treffer nicht anerkannt. Das gilt auch dann, wenn die Berührung unbeabsichtigt war.

Berührt ein Angreifer den Ball versehentlich mit der Hand und erzielt unmittelbar danach selbst ein Tor, muss dieses ebenfalls aberkannt werden.

Anders kann es aussehen, wenn nach dem unbeabsichtigten Kontakt noch mehrere Pässe, Zweikämpfe oder eine neue Spielsituation folgen. Dann ist die Handberührung nicht zwangsläufig der unmittelbare Auslöser des Tores.

Welche Rolle spielt der VAR?

Der Video-Assistent kann Handspielsituationen überprüfen, wenn sie mit einem Tor, einem möglichen Elfmeter oder einer direkten Roten Karte zusammenhängen.

Der VAR im Fußball trifft jedoch nicht selbst die endgültige Entscheidung. Er informiert den Schiedsrichter über einen möglichen klaren und offensichtlichen Fehler. Bei einer subjektiven Bewertung kann der Schiedsrichter die Szene am Spielfeldrand noch einmal ansehen.

Zeitlupen helfen dabei, den Kontaktpunkt zu erkennen. Sie können eine Armbewegung allerdings absichtlicher wirken lassen, als sie in Echtzeit tatsächlich war. Deshalb müssen neben den Bildern auch Geschwindigkeit, Entfernung und Bewegungsablauf berücksichtigt werden.

Handspiel und Abseits

Handspiel und Abseits können innerhalb derselben Szene zusammenhängen. Spielt ein Verteidiger den Ball absichtlich mit der Hand zu einem zuvor im Abseits stehenden Gegner, kann diese bewusste Aktion die Bewertung der Abseitssituation beeinflussen.

Eine absichtliche Abwehraktion, mit der ein Tor verhindert werden soll, wird jedoch anders behandelt als ein kontrolliertes Spielen des Balls. Mehr dazu erklärt unser Artikel über die Abseitsregel im Fußball.

Verlängert eine VAR-Prüfung die Spielzeit?

Längere Überprüfungen von Handspielsituationen werden bei der Berechnung der Nachspielzeit berücksichtigt. Die angezeigte Spielzeit endet deshalb nicht automatisch nach exakt 90 Minuten.

Wie reguläre Spielzeit, Halbzeitpause, Nachspielzeit und Verlängerung zusammenspielen, erfährst du im Guide Wie lange dauert ein Fußballspiel?.

Fazit: Nicht jeder Handkontakt ist ein Handspiel

Für die Bewertung eines möglichen Handspiels kommt es auf mehrere Faktoren an: Absicht, Armhaltung, Körperbewegung, Entfernung und die unmittelbaren Folgen der Berührung.

Ein bloßer Kontakt zwischen Ball und Arm reicht nicht aus. Genau dieser Ermessensspielraum erklärt, warum selbst ähnliche Szenen unterschiedlich bewertet werden können und die Handspielregel trotz Videoaufnahmen regelmäßig für Diskussionen sorgt.